05.07.2009

Lebenspflege unter der Glocke

von Thomas Grulke

Von außen ein Bungalow, innen eine Oase der Ruhe: Im Qigong-Haus von Monika Dietrich-Beines kann man etwas für die Gesundheit tun. Qigong ist eine chinesische Bewegungsform aus Atem-, Körper- und Meditationsübungen.

Vera Matton brauchte nicht lange um anzukommen. Von Yoga bis Aerobic hatte sie alles ausprobiert. „Doch als ich hier rein kam, fühlte ich mich sofort wohl“, erzählt die 56-Jährige. Es ist ihre achte Stunde im Qigong-Haus von Monika Dietrich-Beines. Tabletten gegen ihre Rückenschmerzen nimmt sie jetzt nicht mehr. Qigong hat ihrem Körper und ihrem Geist gut getan.

Und da ist Vera Matton kein Einzelfall. „Die Menschen, die zu mir kommen, haben alle ein Anliegen. Sei es eine Krankheit oder einfach nur Stress. Für sie ist Qigong eine Lebenspflege, die ihren Alltag verändern soll“, erklärt Monika Dietrich-Beines. Die 63-Jährige lehrt eine chinesische Bewegungsform, die aus Atem-, Körper- und Meditationsübungen besteht. „Man strengt sich an, ohne dass man es merkt“, beschreibt Liesel Peltzer (54) ihr Qigong-Erlebnis. Und Hubertine Dohmes (68) fügt hinzu: „Es ist ein Wohlfühl-Angebot, bei dem ich die innere Ruhe finde.“

Behaglichkeit ist wichtig

Gemeinsam sitzen die Teilnehmer bei einer Tasse Tee, bevor die Übungsstunde beginnt. Das gehört zur allwöchentlichen Behaglichkeit. „So können sie erst mal ein wenig landen und Stress abbauen, ehe es losgeht“, sagt die Qigong-Lehrerin. Vor fünf Jahren ließ sie nahe dem Wickrather Forst den Bungalow bauen, um Kurse zu geben.

Bei der Gestaltung der Räume und des großzügigen Gartens half ihr die Feng-Shui-Expertin Helga M. Vesper. „Durch Farben, Formen und Symboliken soll die Harmonie verstärkt werden. So fühlen sich die Teilnehmer beim Qigong wohler als in einer Turnhalle“, sagt die pensionierte Grundschullehrerin. Der große Raum des Holz-Bungalows dient als Übungsfläche. Die Nachmittagssonne durchflutet das weiße, kahle Zimmer. Und obwohl Dietrich-Beines das Terrassenfenster für ein kühles Lüftchen öffnet, dringt nicht mehr herein als Vogelgezwitscher. „Es ist wie unter einer Glocke: Kein Telefon klingelt, kein Hund bellt. Man ist mit vielen zusammen und doch allein“, sagt Liesel Peltzer. So kann sie sich gut aufs Üben konzentrieren.

Nach der Aufwärmphase geht Dietrich-Beines mit den Schülerinnen feste Bewegungsformen durch, die mehrmals wiederholt werden. Schulterbreite Schrittstellung, kreisende Armbewegungen und bewusste Atmung: zunächst mit Anweisungen, später mit Musikuntermalung. Da sie ihre Gruppen klein hält – in sechs Kursen hat sie 40 Teilnehmer zwischen 17 und 80 Jahren – kann Dietrich-Beines auf jeden eingehen. „Ich möchte, dass sie die Übungen schnell beherrschen, damit sie diese zu Hause oder im Büro wiederholen können“, erklärt sie. Viele bleiben ihrer Lehrerin treu, kommen wie Hubertine Dohmes seit Jahren zu den Kursen. Auch Vera Matton wird weiter das Qigong-Haus besuchen, zu gut ist ihr erster Eindruck: „Man trifft hier lauter ausgeglichene Menschen.“


Copyright Text: Rheinische Post (rp-online.de) und Thomas Grulke
Foto: Lars Zachowski